Die 10 besten Marinas in Ungarn
Das Binnenland Ungarn besitzt eines der grossen Segelreviere Europas. Der Balaton erstreckt sich über 77 Kilometer von Keszthely bis Balatonakarattya, misst 596 Quadratkilometer und ist im Schnitt kaum 3,3 Meter tief — ein milchig jadegrünes Binnenmeer, das sich im Sommer auf über 25 °C aufheizt und eine kurze, steile Welle aufbaut, sobald der Nordwind einsetzt. Die Ungarn nennen ihn schlicht Magyar tenger, das ungarische Meer. An seinen Ufern bedienen mehr als vierzig Häfen eine Kielbootflotte, die auch einer Salzwassernation gut zu Gesicht stünde.
Warum der Balaton ein ernstzunehmendes Kielbootrevier ist
Die geringe Tiefe ist die Geheimwaffe des Balaton. Weil so wenig Wasser bewegt werden muss, reagiert der See binnen Minuten auf Wind und baut eine kurze, steile, erstaunlich körperliche Welle auf. Die Hauptgefahr ist der Nordwind, der von den Bakony-Bergen herabfällt; das Sturmwarnsystem des Sees — Uferleuchten mit 45 Blitzen pro Minute als Vorwarnung, 90 als Vollwarnung — ist rechtlich bindend, und die Hafenmeister setzen es durch. Eine weitere Regel prägt die ganze Szene: Motorboote mit Verbrennungsmotor sind auf dem Balaton praktisch verboten, das Wasser gehört Segel, Riemen und Elektroantrieb. Das Ergebnis ist ein See, auf dem Segeln nicht eine Freizeitbeschäftigung unter vielen ist, sondern die Hauptsache.
Balatonfüred: die Hauptstadt des ungarischen Segelns
Wenn das ungarische Segeln eine Hauptstadt hat, dann Balatonfüred am Nordufer. Der Ort ist seit der Reformära des frühen 19. Jahrhunderts Kurstadt, die Tagore-Promenade von Platanen und Regatta-Bronzen gesäumt, und seine Häfen — darunter die moderne Koloska Marina — füllen sich jeden Juli mit Crews, die sich auf das grosse Rennen des Sees vorbereiten. Balatonfüred beherbergt zudem die ältesten Yachtclubs Ungarns und den Grossteil der Charterflotte; wer für eine Woche einen Cruiser-Racer mieten will, sucht zuerst hier.
Tihany: eine Abtei über den Liegeplätzen
Die Halbinsel Tihany ragt so weit in den See, dass sie den Balaton fast in zwei Hälften teilt; die Überfahrt nach Szántód schrumpft auf etwa 1,5 Kilometer — die Route der meistbefahrenen Autofähre Ungarns. Die Benediktinerabtei von 1055 krönt den Hügel, ihre barocken Doppeltürme sind vom halben See aus sichtbar, und darunter bietet die Tihany Marina, örtlich The Sail genannt, einige der geschütztesten und fotogensten Liegeplätze des Reviers. Lavendelfelder, der Echostein und der Innere See machen Tihany zum einen Stopp, über den sich auch nicht segelnde Mitfahrer nicht beschweren.
Das Südufer: Siófok, Zamárdi und die Partyküste
Am flachen Südufer macht Ungarn Urlaub. Siófok, die grösste Stadt am See, kombiniert seinen altehrwürdigen Wasserturm mit einem Hafenviertel um den Siófoker Segelhafen und einer langen Kette von Strandbädern, die sich ostwärts über Zamárdi — Schauplatz des Festivals Balaton Sound — bis Balatonvilágos-Aliga zieht. Segeln heisst hier: flaches Wasser bis weit hinaus (man kann Hunderte Meter hinauswaten), verlässliche Nachmittagsbrisen und Häfen wie der Kaáli Nagy Dezső vitorláskikötő, die Familien ebenso bedienen wie Regattasegler.
Lelle, Fonyód und die Häfen der südlichen Mitte
Zwischen den Partystädten und dem stillen Westen verbirgt die südliche Seemitte einige der bestgeführten Marinas. Der BL Yacht Club in Balatonlelle gehört zu den modernsten Full-Service-Häfen am Balaton — Hotel, Restaurant und Wettfahrtleitung unter einem Dach. Weiter westlich arbeitet der Fonyód Yacht Club neben den historischen Badehäusern der Stadt, direkt gegenüber dem Vulkankegel des Badacsony: Man bekommt also die berühmteste Aussicht des Nordufers, ohne die Liegeplatzpreise des Nordufers zu zahlen.
Der vulkanische Westen: Badacsony, Szigliget und Ábrahámhegy
Westlich von Tihany wird das Nordufer vulkanisch. Der Tafelberg Badacsony steigt 437 Meter direkt aus den Weinbergen, und die Basalthügel hinter Szigliget — dessen Burgruine aus dem 13. Jahrhundert über die nach dem Segler István Szívós benannte Marina wacht — bringen jene Olaszrizling-Weissweine hervor, die jede Hafenterrasse füllen. Kleine Häfen wie der Jégmadár-Hafen in Ábrahámhegy bedienen diesen Abschnitt, dessen Segelkultur leiser ist: Weinkeller statt Beachclubs, Ankerplätze vor Schilfgürteln statt Promenaden.
Keszthely: das grosse Finale des Sees
An der Westspitze des Balaton ist Keszthely die einzige echte Ganzjahresstadt am See, überragt vom riesigen barocken Festetics-Palast mit seinen 101 Räumen und der berühmten Helikon-Bibliothek. Der Keszthelyer Yachtclub und der Stadthafen liegen neben einem schattigen Strandbad, während gegenüber die Häfen von Balatonberény und der Fahrtensegler-Verein von Balatonmáriafürdő die Südwestecke markieren. Von hier sind es 70 Kilometer Kreuzschlag zurück ins Ostbecken — die volle Länge des ungarischen Meeres.
Das Kékszalag: Europas ältestes Rund-um-den-See-Rennen
Seit 1934 richtet der Balaton jeden Juli das Kékszalag aus, das Blaue Band — die älteste und grösste Seeumrundungsregatta Europas. Der Kurs führt rund 155 Kilometer von Balatonfüred um die Bucht von Keszthely und zurück, nonstop, Tag und Nacht; in Leichtwindjahren brauchen die langsamsten Boote weit über 24 Stunden, während die foilenden Grosskatamarane schon in unter acht Stunden im Ziel waren. Mehr als 500 Boote melden — was auf einem See von durchschnittlich 3,3 Metern Tiefe einen der spektakulärsten Starts des Weltsegelsports erzeugt. Legen Sie Ihren Törn so, dass Sie ihn vom Wasser aus erleben.
Auf der Karte
Jeder Hafen dieses Führers — von der Koloska Marina bis zur Uferfront von Keszthely — ist auf unserer interaktiven Karte verzeichnet, dazu Dutzende kleinerer Bootshäfen, Fähranleger und Yachtclubs rund um den See. Öffnen Sie Ungarn auf der Karte, folgen Sie den 200 Kilometern Uferlinie und wählen Sie die Bucht, in der Ihre Balaton-Saison beginnen soll.