Die 10 besten Marinas der USA
Wer an einem Julimorgen im Newport Shipyard festmacht, hört zwei Liegeplätze weiter die Winschen einer 100-Fuß-Regattayacht, während am anderen Ende des Kontinents in San Diego gerade ein Fahrtensegler nach 2.800 Seemeilen Pazifiküberquerung einklariert. Die Vereinigten Staaten besitzen über 150.000 Kilometer Küstenlinie und eine Marinakultur, die dieser Dimension gerecht wird — von holzverschalten Yachtclubs Neuenglands bis zu palmengesäumten Bootshäfen auf Hawaii. Diese zehn Stationen, ausgewählt nach Gastliegerfreundlichkeit ebenso wie nach den Revieren ringsum, zeichnen das ganze Panorama des amerikanischen Segelns.
Newport, Rhode Island — die Segelhauptstadt der Ostküste
Von 1930 bis 1983 wurde der America's Cup vor Newport ausgetragen, und die Stadt hat nie aufgehört, sich entsprechend zu benehmen. Newport Shipyard und das Newport Yachting Center bringen Gastlieger in fünf Gehminuten zum Bannister's Wharf, und dank Hafenshuttle ist selbst eine Mooring in der Brenton Cove komfortabel. Die Narragansett Bay bietet rund 40 Kilometer geschütztes Tagesrevier, und der Leuchtturm von Beavertail weist den Weg hinaus nach Block Island — 25 Seemeilen, der klassische erste Übernachtungstörn für Ostküstencrews. An Sommernachmittagen weht verlässlich ein Südwest-Seewind mit 12 bis 18 Knoten.
Annapolis, Maryland — Drehkreuz der Chesapeake Bay
Annapolis nennt sich selbst Amerikas Segelhauptstadt, und mit der US Naval Academy am Spa Creek und der „Ego Alley" mitten in der kolonialen Altstadt lässt sich das schwer bestreiten. Am City Dock und in den Marinas am Back Creek findet jeden Oktober die United States Sailboat Show statt, die größte In-Water-Segelbootmesse der Welt. Die Chesapeake selbst ist ein über 300 Kilometer langes Fahrtenrevier mit Hunderten Ankerbuchten: St. Michaels, Oxford und der Wye River liegen alle in Tagesdistanz. Die Wassertiefen sind gnädig — weite Teile der Bucht messen unter 10 Meter — und der weiche Schlickgrund macht eine Grundberührung zur Anekdote statt zum Drama.
Charleston, South Carolina — das Tor zum Süden
Das MegaDock der Charleston City Marina erstreckt sich über mehr als 450 Meter am Ashley River und ist fester Bestandteil jeder Reise auf dem Intracoastal Waterway. Der Strom läuft hier kräftig — bei Springtide 2 bis 3 Knoten —, weshalb Crews ihre Ankunft nach dem Stillwasser planen und anschließend in fünfzehn Minuten eines der besterhaltenen historischen Stadtviertel der USA erreichen. Die Charleston Race Week im April bringt mehrere Hundert Boote in die Stadt, und die Ansteuerung vorbei an Fort Sumter gehört zu den großen Hafeneinfahrten des amerikanischen Segelsports.
Florida — Sailfish Marina, Gulfport und die Space Coast
Florida verdient gleich drei eigene Einträge. Die Sailfish Marina auf Singer Island bei Palm Beach ist der klassische Ausgangspunkt am Rand des Golfstroms für die 55-Seemeilen-Passage nach West End auf den Bahamas. An der Golfküste öffnet die Gulfport Municipal Marina bei St. Petersburg den Zugang zur Boca Ciega Bay und zum flachen Revier der vorgelagerten Inseln, mit der weiten Tampa Bay gleich dahinter. An der Space Coast liegt die Titusville Marina direkt gegenüber dem Kennedy Space Center am Indian River — ICW-Crews richten ihre Etappen nach den Startfenstern, denn einen Raketenstart aus dem eigenen Cockpit zu verfolgen vergisst niemand.
San Diego, Kalifornien — die Abfertigungshalle des Pazifiks
Nahezu jedes Boot mit Kurs Mexiko oder Südsee passiert San Diego. Shelter Island und Harbor Island konzentrieren Tausende Liegeplätze, Ausrüster, Riggern und Segelmachereien auf wenigen Kilometern, und jeden November startet von hier die Baja-Ha-Ha-Rallye mit rund 120 Booten Richtung Cabo San Lucas, 750 Seemeilen südwärts. Der Hafen selbst ist ein großartiges Tagesrevier: 10 bis 15 Knoten Seewind, glattes Wasser hinter Point Loma und Temperaturen, die das ganze Jahr mild bleiben.
Marina del Rey, Kalifornien — der größte Sportboothafen
In den 1960er-Jahren aus den Feuchtgebieten von Los Angeles gebaggert, fasst Marina del Rey rund 5.000 Liegeplätze und gilt damit als größter künstlicher Sportboothafen Nordamerikas. Hübsch im neuenglischen Sinn ist er nicht, aber als Basis unschlagbar: die Santa Monica Bay für die Feierabendregatta, Catalina Island 33 Seemeilen entfernt fürs Wochenende und dahinter die Channel Islands für Crews, die wildere Ankerplätze suchen. Gastliegeplätze sind unkompliziert zu buchen, und der Flughafen LAX liegt zwanzig Minuten entfernt — ein praktisches Detail für Crewwechsel auf langen Reisen.
Seattle, Washington — das Tor zur Salish Sea
Die Shilshole Bay Marina des Hafens von Seattle reiht rund 1.400 Liegeplätze unter den Olympic Mountains auf und ist Startrampe in das schönste gemäßigte Fahrtenrevier des Landes. Die San Juan Islands liegen ein bis zwei Tagesetappen nördlich, die kanadischen Gulf Islands gleich dahinter, der Desolation Sound in Wochenreichweite. Tide und Strom sind hier ernst zu nehmen — Engstellen wie der Deception Pass laufen mit über 8 Knoten —, weshalb Segler im Pazifischen Nordwesten früh zu Tidenkalender-Gelehrten werden. Der Sommer bringt trockenes, stabiles Wetter und 16 Stunden Tageslicht.
Hawaii — Lahaina, Ko Olina und der Kaneohe Yacht Club
Hawaiianische Häfen sind klein, rar und jede Mühe wert. Der Lahaina Harbor auf Maui, nach dem verheerenden Feuer von 2023 wieder aufgebaut, liegt im Lee der West Maui Mountains; von Dezember bis April springen Buckelwale direkt vor der Hafeneinfahrt. Die Ko Olina Marina an Oahus trockener Leeküste ist die modernste Anlage des Archipels und häufiger Zielhafen der Transpac-Boote aus Los Angeles, 2.225 Seemeilen entfernt. Auf der anderen Inselseite empfängt der Kaneohe Yacht Club in der Kaneohe Bay die Finisher des Pacific Cup aus San Francisco, während der Haleiwa Boat Harbor an der North Shore direkt neben den berühmtesten Surfspots der Welt liegt. Das Segeln zwischen den Inseln ist anspruchsvoll — im Alenuihaha-Kanal beschleunigt der Passat auf über 30 Knoten —, und genau deshalb bringt Hawaii so komplette Segler hervor.
Welcher Küstenabschnitt passt zu wem?
Wer klassische Yachtkultur und einfache Crewlogistik sucht, fliegt nach Boston oder Providence und macht Newport zur Basis. Geschütztes Wasser, Geschichte und Hunderte Ankerplätze bietet die Chesapeake ab Annapolis. Überwinterer und Bahamas-Aspiranten denken Florida, Pazifikträumer starten in San Diego, und wer Wildnis über warmes Wasser stellt, gehört nach Seattle. Hawaii belohnt erfahrene Crews, die früh reffen gelernt haben. Der gemeinsame Nenner: Amerikanische Marinas sind für Gastlieger gebaut — ein Anruf auf UKW-Kanal 16 oder 68 genügt, und fast immer findet sich ein Platz.
Auf der Karte
Jeder Hafen aus diesem Guide — und Tausende weitere in allen fünfzig Bundesstaaten — ist auf unserer interaktiven Karte verzeichnet. Zoomen Sie in die Narragansett Bay, folgen Sie dem Intracoastal Waterway Liegeplatz für Liegeplatz oder schwenken Sie über den Pazifik zu den Bootshäfen Hawaiis. Beginnen Sie mit den USA auf der Karte und planen Sie Ihre eigene Küste-zu-Küste-Route.