Die 10 besten Marinas in Montenegro
Wer durch die Meerenge von Verige segelt – an der schmalsten Stelle kaum 340 Meter breit – erlebt, wie sich die Bucht von Kotor wie ein Amphitheater öffnet. Kalksteinwände stürzen fast senkrecht ins Wasser, das tief genug für die größten Yachten der Welt ist, von Perast hallen Kirchenglocken herüber, und am Kai von Kotor duftet es nach gegrilltem Tintenfisch. Montenegro verdichtet die Dramatik eines norwegischen Fjords auf mediterrane Breitengrade – und hat in den letzten fünfzehn Jahren eine Marina-Infrastruktur von Weltrang in diese Kulisse gebaut.
Porto Montenegro in Tivat: das Aushängeschild
Alles beginnt in Tivat, wo erst die österreichisch-ungarische und später die jugoslawische Marine über ein Jahrhundert lang ihr Arsenal betrieb. Seit 2009 ist daraus Porto Montenegro geworden, die prägende Superyacht-Marina der Adria: rund 450 Liegeplätze, ausgelegt für Schiffe bis 250 Meter Länge, dazu ein 250-Tonnen-Travellift in der angrenzenden Werftzone. Das Dorf drumherum – Regent-Hotel, Marinemuseum mit einem erhaltenen jugoslawischen U-Boot der Klasse P-821, Designerboutiquen – erinnert eher an Monaco als an den Balkan. Für Fahrtensegler wichtig: Tankstelle, Proviant und ein echter Yachtausrüster liegen direkt am Hafen, der Flughafen Tivat ist zehn Taximinuten entfernt.
Portonovi bei Kumbor: der elegante Neuzugang
Auf der anderen Buchtseite, nahe Herceg Novi, eröffnete 2019 Portonovi auf dem Gelände eines weiteren ehemaligen Marinestützpunkts in Kumbor. Die Marina bietet etwa 238 Liegeplätze für Yachten bis 120 Meter und schmiegt sich an das erste One&Only-Resort Europas. Portonovi ist ruhiger und wohnlicher als Porto Montenegro, technisch aber erstklassig: schwimmende Betonstege, volle Versorgung an jedem Platz und eine geschützte Lage gleich hinter der Bucheinfahrt – praktisch, wenn man spät aus Kroatien oder Albanien einläuft.
Herceg Novi und die Marina Škver
Herceg Novi selbst, an den Hang unter dem Orjen-Massiv gebaut, pflegt einen älteren Hafentyp. Die kleine Marina Škver unterhalb der Stadtmauern ist ein lebendiger Lokalhafen: bescheidene Wassertiefen, Mooring nach Mittelmeerart, Fischer flicken ihre Netze neben Gastseglern. Was an Concierge-Service fehlt, ersetzt die Atmosphäre – die Festung Kanli Kula über der Stadt, unzählige Steintreppen durch die Altstadt und dank des Regenschattens des Orjen einige der mildesten Winter an der ganzen Adria.
Kotor: festmachen unter Welterbe-Mauern
Kotor besitzt keine große Marina, doch die Stadtmole und der Kotor Cruise Pirs nehmen alles auf, vom Beiboot bis zum Kreuzfahrtschiff, und einige Heckliegeplätze säumen die Uferpromenade vor dem Seetor. Die Belohnung ist einzigartig: Man steigt von der Gangway direkt in eine mittelalterliche UNESCO-Altstadt, hinter der sich die Festung San Giovanni über 1.350 Stufen den Fels hinaufzieht. Bei ruhigem Wetter ankert man davor – oder nimmt einen Liegeplatz und besteigt die Mauern im Morgengrauen, bevor die Kreuzfahrtgäste anlanden. Unterwegs lohnt der Stopp in Perast mit der künstlichen Insel Gospa od Škrpjela, die Seeleute seit 1452 Stein für Stein aufschütteten.
Budva und die Dukley Marina
Außerhalb der Bucht streckt sich die Küste zur Riviera von Budva. Die Dukley Marina in Budva bietet rund 300 Liegeplätze für Yachten bis 70 Meter, unmittelbar neben der ummauerten Altstadt – einem venezianischen Kleinod, das älter ist als Kotors Ruhm. Budva ist Montenegros Partyhauptstadt; wer klösterliche Stille sucht, ist hier falsch. Sechs Kilometer südlich liefert die Hotelinsel Sveti Stefan die meistfotografierte Ankerkulisse des Landes, auch wenn das Betreten der Insel den Gästen vorbehalten bleibt.
Luštica Bay: die leise Alternative
Auf der Seeseite der Halbinsel Luštica wächst um die neue Stadt Luštica Bay eine eigene Boutique-Marina – rund 176 Liegeplätze in der ersten Ausbaustufe, dazu Dorf, Golfplatz und ein deutlich gemächlicheres Tempo als in Tivat. Ideal für alle, die Boka-Nähe ohne Boka-Verkehr wollen: Die Einfahrt zur Bucht von Kotor liegt gleich hinter Kap Oštro, die Blaue Grotte und die Festungsinsel Mamula sind nur eine kurze Dingifahrt entfernt.
Marina Bar und der tiefe Süden
Bar ist Montenegros Handelstor, und seine Marina ist nach reiner Platzzahl die größte des Landes – etwa 900 Wasserliegeplätze plus Landlager – mit dem besten Ganzjahresschutz der Küste und Fährverbindungen nach Bari und Ancona. Die Preise liegen weit unter Tivat-Niveau. Von Bar ist es nur ein Katzensprung nach Ulcinj, der südlichsten Stadt Montenegros, mit Korsarengeschichte und dem zwölf Kilometer langen Strand Velika Plaža Richtung Albanien.
Virpazar und der Skadarsee: die Überraschung im Binnenland
Und nun die Pointe, die kein anderes Adrialand bietet: Vierzig Autominuten von Bar (oder mit der spektakulären Bahnstrecke von der Küste) liegt das Dorf Virpazar, das Bootstor zum Skadarsee – mit bis zu 530 Quadratkilometern bei Hochwasser der größte See des Balkans. Statt Yachten gleiten hier flache Holzbarken durch Seerosenfelder und Flutkanäle, vorbei an Inselklöstern wie Kom und der Gefängnisfestung Grmožur, während Krauskopfpelikane kreisen. Wer eine Saison in Montenegro verbringt, sollte sich einen Skadar-Tag nicht entgehen lassen.
Wind, Papiere und Saison
Montenegro nutzt den Euro, und Gastyachten lösen bei der Ankunft in Porto Montenegro, Bar, Budva oder Kotor eine Vignette (Navigationsgenehmigung), gestaffelt nach Länge und Dauer. Die Saison läuft von Mai bis Oktober; im Juli weht nachmittags der Maestral mit 10 bis 20 Knoten, während Frühjahr und Herbst den südlichen Jugo und die heftige Bora bringen, die ohne Vorwarnung von Orjen und Lovćen herabfällt – jenem 1.749 Meter hohen Gipfel über Kotor. In der Bucht selbst ist der Schutz fast überall hervorragend – genau deshalb schätzten Marinen sie jahrhundertelang.
Auf der Karte
Zehn sehr unterschiedliche Arten festzumachen, vom Gigayacht-Glanz in Tivat bis zum Holzkahn zwischen Seerosen am Skadarsee. Öffnen Sie die interaktive Karte, um jede Marina, jeden Hafen und jeden Ankerplatz entlang der Boka und der offenen Küste zu sehen, und zoomen Sie auf Montenegro auf der Karte, um Ihre eigene Route durch die fjordartigste Bucht der Adria zu planen.