Die 10 besten Marinas in Brasilien
Brasiliens Küste zieht sich rund 7.400 Kilometer vom Amazonasdelta bis zur Pampagrenze, und an ihr lebt die grösste Segelgemeinde Südamerikas. Dies ist das Land von Torben Grael und Robert Scheidt, zwei der erfolgreichsten Olympiasegler der Geschichte, und das Land von Buchten, die ganze Archipele fassen. Die Marinas reichen vom hundertjährigen Yachtclub mit Tenderservice bis zum Flussclub, an dessen Sliprampe Wasserschweine grasen. Hier ist, wo man festmacht — Region für Region.
Angra dos Reis: 365 Inseln an der Costa Verde
Zwei Stunden westlich von Rio birgt die Bucht von Ilha Grande Brasiliens dichtestes Fahrtenrevier: Vor Angra dos Reis liegen — so die berühmte Zählung — 365 Inseln und rund 2.000 Strände, dahinter steigt der Regenwald der Serra do Mar auf. Ilha Grande selbst, eine autofreie Insel und ehemalige Sträflingskolonie, bietet Ankerplätze wie Lopes Mendes und das smaragdene Becken der Lagoa Azul. Die Marinas in und um Angra — zusammen mit den Moorings des nahen Paraty, des UNESCO-gelisteten Kolonialhafens am Westende der Bucht — machen dies zum belebtesten Charter- und Wochenendrevier des Landes. Der Sommer bringt nachmittägliche Seebrisen von 10 bis 15 Knoten und dramatische Böen von den Bergen.
Rio de Janeiro: Segeln unter dem Zuckerhut
Die Guanabara-Bucht zählt zu den grossen Naturhäfen der Welt, und die Ausfahrt am Zuckerhut vorbei zur goldenen Stunde ist ein Initiationsritus. Der kleine Strand und die Moorings des Quadrado da Urca liegen direkt unter dem Seilbahnberg, während die Marina da Glória — als Segelarena der Olympischen Spiele 2016 neu gebaut — die wichtigste Gästemarina im Stadtzentrum bleibt. Auf der anderen Buchtseite, in Niterói, hat das Projeto Grael, die von der Familie Grael gegründete soziale Segelschule, Tausende Kinder aus den Favelas aufs Wasser gebracht. Achtung auf Berufsverkehr und Kabbelwasser: Die Bucht ist voll, aber die Regattatradition hier ist über hundert Jahre alt.
Salvador: die Allerheiligenbucht
Salvador da Bahia liegt an der Baía de Todos os Santos, Brasiliens grösster Bucht mit über 1.000 Quadratkilometern, gesprenkelt mit mehr als 50 Inseln, darunter das langgestreckte, strandgesäumte Itaparica. Der 1933 unter dem Leuchtturm von Barra gegründete Yacht Clube da Bahia ist der natürliche Landfall für Yachten aus dem Atlantik — Salvador diente historisch als Ziellinie transatlantischer Regatten aus Europa und als Start der Rückwege. In der Bucht sorgen ganzjährige Passatwinde, glattes Wasser und Dutzende Ankerplätze für Brasiliens wohl unterschätztestes Fahrtenrevier — mit den Kolonialgassen des Pelourinho über dem Hafen.
Santa Catarina: der geschützte Süden
Der Bundesstaat Santa Catarina ist Brasiliens Bootsbau-Herzland und sein am schnellsten wachsendes Yachtzentrum. Der Iate Clube de Porto Belo belegt einen der besten Naturhäfen der Küste, eine tiefe, vor Südschwell geschützte Bucht in Sichtweite des Badeorts Bombinhas. Rund um die Bucht von Florianópolis — abgeschirmt von der 54 Kilometer langen Ilha de Santa Catarina — bedienen Marinas in Biguaçu und der Hauptstadt eine Flotte, die zu grossen Teilen vor Ort gebaut wurde: Schaefer Yachts und andere Grosswerften arbeiten wenige Kilometer von diesen Stegen entfernt. Das Wasser ist kühler, der Wind stetiger, die Stimmung eher mediterran als tropisch.
Lagoa dos Patos: Südamerikas grosses Binnenmeer
In Rio Grande do Sul dehnt sich die Lagoa dos Patos über 250 Kilometer — die grösste Lagune Südamerikas — und trägt eine ganz eigene Süsswasser-Segelkultur. An ihrem Nordende ist der Clube dos Jangadeiros in Porto Alegre, 1941 am Ufer des Guaíba gegründet, einer der erfolgreichsten Regattaclubs Brasiliens und seit Jahrzehnten Kaderschmiede für Olympia- und Hochseesegler. Lagunenabwärts sitzt der Clube Náutico Itapuã beim Leuchtturm, wo der Guaíba in die eigentliche Lagune übergeht, kleine Häfen bedienen Arambaré und Tapes am Westufer, und der Yacht Club de Rio Grande bewacht die Südeinfahrt, wo die Lagune endlich auf den Atlantik trifft.
São Paulos Küste: Guarujá und der Kanal von Ilhabela
Der reichste Bundesstaat Brasiliens parkt seine Boote an der Baixada Santista. Guarujá, gegenüber dem Hafen von Santos, konzentriert Marinas und Wohnstege wie die Anlage der Marina Guarujá, während 120 Kilometer nordöstlich der Kanal von São Sebastião die Insel Ilhabela umspült — Schauplatz von Brasiliens wichtigster Regatta, der Semana de Vela de Ilhabela, die jeden Juli über 400 Boote anzieht. Die im Kanal gebündelten Südwinde und die 1.300 Meter hohen Regenwaldgipfel der Insel machen sie zur Paraderennstrecke des Landes.
Der Nordosten: Passatland
Nördlich von Salvador biegt die Küste in den stetigen Ostpassat, und Segeln wird zum Vorwindgleiten entlang von Dünen und Riffen. Der Iate Clube de Aracaju am Fluss Sergipe ist ein willkommener Stopp auf dem langen Schlag zwischen Salvador und Recife. Weiter nördlich bietet Pipa in Rio Grande do Norte — einst Fischerdorf, heute Surfstädtchen unter Klippen — eine offene Reede am Porto de Pipa, unter rosafarbenen Sandsteinwänden, vor denen Delfine die Bucht abjagen. Von hier ist es ein Tagesschlag nach Natal und zum Absprungpunkt für Fernando de Noronha, 190 Meilen vor der Küste.
Saison, Papiere und Praxis
Brasiliens Segelsaison endet im Grunde nie, hat aber Launen: Dezember bis März bringen Hitze, Südostbrisen und nachmittägliche Gewitter im Süden und Südosten, während der Nordostpassat von August bis Dezember am kräftigsten weht. Ausländische Yachten klarieren bei Bundespolizei, Zoll und der Capitania dos Portos ein; die Fahrterlaubnis gilt in der Regel so lange wie das Visum. Liegegebühren sind ausserhalb von Rio und Angra nach europäischen Massstäben moderat, und die Werften in Santa Catarina und Salvador stemmen auch grosse Refits. Portugiesisch auf UKW hilft; die Kanal-16-Etikette wird nahe der Handelshäfen ernst genommen.
Auf der Karte
Vom Quadrado da Urca bis zum Leuchtturmclub von Itapuã ist jeder Hafen dieses Führers auf unserer interaktiven Karte verzeichnet, dazu Hunderte weiterer brasilianischer Yachtclubs, Marinas und Ankerplätze. Öffnen Sie Brasilien auf der Karte, folgen Sie der Küste vom Passat bis zu den Lagunen — und entscheiden Sie, welche der 365 Inseln zuerst drankommt.